Novembertage – Nebeltage

Licht (c) M. Manigatterer@pfarrbriefservice
Datum:
Di. 13. Okt. 2026
Von:
Susanne Jansen

Novembertage sind vielfach Nebeltage, Tage, an denen sich der Himmel grau verhüllt, die Farben verblassen und die Welt ein wenig stiller zu werden scheint. Der Nebel legt sich über die Landschaft, dämpft die Geräusche und lässt vieles im Verborgenen. Es sind Tage, die uns einladen, langsamer zu werden, nach innen zu lauschen und uns auf das Wesentliche zu besinnen.

Vielleicht spiegelt der November auch etwas von unserem Leben wider. Es gibt Zeiten, in denen wir voller Tatendrang sind, in denen uns die Sonne entgegenlacht und wir voller Zuversicht unseren Weg gehen. Und es gibt Zeiten, in denen sich Nebel über unsere Gedanken legen, in denen Fragen offenbleiben, Kräfte schwinden und wir nicht wissen, wohin der nächste Schritt führen wird.

Das Buch Kohelet erinnert uns an eine tiefe Wahrheit: Alles hat seine Zeit. Eine Zeit zum Lachen und eine Zeit zum Weinen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Aufbrechen und eine Zeit zum Bleiben. Das Leben folgt seinem eigenen Rhythmus. Nicht alles lässt sich festhalten, nicht alles können wir beeinflussen, und nicht jede Frage findet eine Antwort.

Wie schwer fällt es uns manchmal, dies anzunehmen! Wir möchten festhalten, was uns lieb geworden ist. Wir wünschen uns, dass schöne Zeiten niemals enden, und möchten Leid, Abschied und Unsicherheit am liebsten aus unserem Leben verbannen. Doch das Leben ist nicht nur Sonnenschein. Es kennt auch Schatten, Umwege und Nebeltage.

Vielleicht liegt gerade im November eine besondere Weisheit. Die Natur zieht sich zurück. Bäume und Sträucher lassen ihre Blätter fallen, die Erde ruht und vieles, was eben noch lebendig war, scheint zu vergehen. Doch unter der Oberfläche geschieht weiterhin Leben. Die Ruhe ist nicht das Ende. Das Loslassen ist nicht nur Verlust. Es kann auch Raum schaffen für Neues, das wir heute noch nicht erkennen.

So dürfen auch wir unsere Nebeltage haben. Wir müssen nicht immer stark sein, nicht immer Antworten finden, nicht immer wissen, wie es weitergeht. Manchmal genügt es, den nächsten kleinen Schritt zu tun, einen Menschen an unserer Seite zu wissen, ein Licht im Fenster zu entdecken oder Halt im Glauben zu finden.

Und wenn der Nebel die Sicht nimmt, dürfen wir darauf vertrauen, dass unser Weg nicht deshalb aufhört zu existieren, weil wir ihn gerade nicht erkennen können.

Alles hat seine Zeit. Auch das Warten. Auch das Reifen. Auch das Abschiednehmen. Und immer wieder gibt es eine Zeit, in der sich neue Wege zeigen und Licht durch die grauen Schleier bricht.

So gehen wir durch unsere Nebeltage – mit einem wachen Herzen. Wir lassen los, was nicht mehr zuhalten ist. Wir bewahren dankbar, was uns geschenkt wurde. Wir nehmen an, was dieser Tag uns bringt, denn auch ein Nebeltag gehört zum Leben. Auch er hat seinen Platz, seine Würde und seine Zeit.

Vielleicht dürfen wir gerade dann, wenn wir nicht weit sehen, darauf vertrauen, dass wir Schritt für Schritt unseren Weg finden und dies begleitet und getragen von Gott.

Dies wünscht Ihnen Ihre Gemeindereferentin Susanne Jansen