Ich glaube, dem Apostel Paulus hätte das Fest Kreuzerhöhung am 14. September gefallen, auch wenn er den historischen Ursprung – das Auffinden des Kreuzes Christi durch die Kaiserinmutter Helena zu Beginn des 4. Jahrhunderts – wahrscheinlich skeptisch betrachtet hätte: Reliquienkult kann ich mir bei Paulus wahrlich nicht vorstellen. Doch was die zentrale Bedeutung des Kreuzes Christi für Glauben und Theologie bedeutet, da kann keiner dem Paulus etwas vormachen. Zwei oder drei Beispiele gefällig: Paulus will sich allein des Kreuzes rühmen (Galater 6,14) und Jesus als den Gekreuzigten verkünden (1. Korinther 1,23). Schlau, wie er war, sah Paulus die Schwierigkeiten seiner Botschaft: „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit …“ (1. Korinther 1,18). Ich glaube, das trifft es auch heute noch; auch bei vielen Christen. Sie sehen im Kreuz lediglich das brutale Mordwerkzeug (das es ja auch ist), aber erkennen leider nicht das, mit dem Paulus seinen Satz beendet: „… uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“ Ja, das Kreuz als Gottes Kraft, weil es einerseits klarmacht, dass Jesus im Leid an der Seite eines jeden Menschen ist und andererseits im Kreuz und durch die Auferstehung Leid und Tod überwunden wird.