Da im Monat Mai das Frühlingserwachen seinen Höhepunkt erreicht, wird dieser Monat traditionell auch Wonnemonat genannt. Mit dem Aufblühen der Natur wird bei vielen von uns eine damit verbundene Lebensfreude erweckt. Im Monat Mai verehren wir Katholiken insbesondere unsere Fürsprecherin und Gottesmutter Maria. Maiandachten, Prozessionen und Fußwallfahrten werden vielerorts durchgeführt. Christi Himmelfahrt, das Pfingstfest und der Dreifaltigkeitssonntag werden in diesem Jahr im Monat Mai gefeiert.
Das Jahr 2026 steht darüber hinaus im Zeichen des 800. Todestages des Heiligen Franziskus von Assisi. Sein Leben und Wirken (* 1181/1182 † 1226) prägen Kirche und Welt bis heute. Dass seine Liebe nicht nur den Menschen, sondern der gesamten Schöpfung, den Tieren, den Pflanzen und der Natur galt, zeigte er uns durch seine Einfühlsamkeit und Lebensweise.
Wir alle können, wenn wir uns darauf einlassen, wie Franz von Assisi erkennen, dass die Schöpfung die sichtbare Offenbarung Gottes, sozusagen sein „Leib“, ist. Für den heiligen Mann aus Assisi war die Schöpfung der klare Spiegel von Gottes Güte. Das Alterswerk des Mystikers Franz von Assisi, der Sonnengesang, ist ein einzigartiger Lobpreis auf Gottes Schöpfung hin. Er war der erste Christ, der in allen Wesen seine Schwestern und Brüder erkannte. Der heilige Franziskus wäre nicht auf einen einzigen Wurm getreten, wenn dieser auf einem Gehweg gewesen wäre. Er hätte ihn aufgenommen und an einen sicheren Platz außerhalb des Weges abgelegt.
Franziskus von Assisi hinterlässt uns in seinem Sonnengesang eine bleibende und dringliche Aufgabe im Erhalt unseres wundervollen, blauen Planeten. Die zehn Strophen des Sonnengesangs beinhalten eine Einleitungs- und Schlussstrophe. Die acht Strophen dazwischen haben an Aktualität für unsere Zeit nichts verloren. (Siehe im Gotteslob Seite 84 – 85, Abschnitt 19/2)
Die 7. Strophe des Sonnengesangs lautet: „Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern.“
Gerade im Monat Mai können wir alle durch die aufblühende Natur „Gottes Garten“ als einen Ort voller Wunder wahrnehmen und betrachten. Was hält uns davon ab, im Wonnemonat noch bewusster als sonst unsere Umgebung und unsere Mitmenschen liebevoll und achtsam in den Blick zu nehmen?
Als ich wieder mal auf dem Rur-Radweg unterwegs war, kam ich wie schon so oft „An den drei Erken“ vorbei. Diesmal jedoch fiel mein Blick bewusster als sonst auf den grauweißen Schriftstein, der dort steht und die Aufschrift trägt: „O Gott, erhalte uns unser schönes Rurtal.“
Mir kam dabei in den Sinn: Sollen wir Gott für den Erhalt unseres großartigen Rurtals verantwortlich machen? Sind wir nicht vielmehr selbst dafür verantwortlich, unsere direkte Umgebung zu erhalten und wertzuschätzen? – Ich bin mir sicher, Gott traut uns zu, dass wir den Erhalt unseres herrlichen Rurtals selbst in die Hand nehmen.
Ich wünsche allen einen wundervollen Wonnemonat Mai, der die Lebensfreude in uns erwecken kann! Diakon Toni Freialdenhoven