Von Meer und Bergen

Wolken (c) M. Pietsch
Datum:
Di. 28. Juli 2026
Von:
Pietsch/Siebertz

Man sagt, es gäbe zwei Arten von Erholungssuchenden: Die, die zum Meer wollen, und die anderen, die es hoch auf die Berge zieht.

Die einen sagen, es gibt keinen schöneren Ort als das Meer: Sie lieben die Sandstrände oder auch die Felsen am Wasser. Wenn man vom Strand oder von den Klippen auf die Weite des Meeres blickt, den Salzgeruch riecht und den Wind in den Haaren spürt, dann ist das für einige nicht nur ein Urlaubserlebnis, sondern so, als ob Gott neben ihnen stünde. Viele sagen, die Momente am Meer räumen Kopf und Herz frei für das Wesentliche, auch in spiritueller Hinsicht.

In der Bibel ist die Bedeutung des Wassers und des Meeres an vielen Stellen sichtbar, ob bei Noah und der Sintflut, dem rettenden Durchzug der Israeliten durch das Meer oder den Wundern Jesu am See Genezareth. Am und im Wasser zeigt sich Gott als der, der unser Heil will - oft sehr mächtig und eindrücklich, aber immer, um den Menschen im Glauben zu stärken.

Man kann auch diejenigen gut verstehen, die es im Urlaub in die Berge zieht. Ein Ort, den ich zuerst bezwingen muss und an dem sich mir dann die Welt zu Füßen legt – das hat seinen Reiz. Zwischen Himmel und Erde wirkt die Welt manchmal ganz klein, der Kopf wird frei für die großen Fragen des Lebens. So geht es manchem Bergwanderer, der beim Anblick der Schönheit und der überwältigenden Größe der Berglandschaft erahnt, dass es hinter diesem Ganzen noch etwas viel Größeres als uns geben muss.

In der Bibel sind Berge bevorzugte Orte der Gottesbeziehung. Als Abraham geht, um weisungsgemäß seinen Sohn Isaak zu opfern, besteigt er einen Berg. Hier prüft Gott Abrahams Treue, und der Berg wird zu einem Ort der Bekräftigung von Gottes Weg mit uns Menschen. Auf dem Berg Sinai empfängt Moses von Gott die Zehn Gebote. Und auch Jesus selbst steigt immer wieder auf einen Berg, um zu beten und damit seinem Vater ganz nahe zu sein. Auch das Ereignis der Verklärung Jesu geschieht auf einem Berg und letztlich endet Jesu irdischer Lebensweg auf dem Hügel Golgotha.

Meer und Berge – das sind Sehnsuchtsziele der Urlaubszeit.

Aber vielleicht fahren Sie gar nicht in den Urlaub, sondern genießen die wunderbaren lauen Sommerabende zu Hause im Grün Ihres Gartens oder auf dem Balkon. Auch dann gibt es die Momente, in denen unwillkürlich ein Gefühl der Dankbarkeit im Innern aufsteigt. Wenn der Verkehr der Straße zur Ruhe gekommen ist, die Vögel ihr Gezwitscher langsam einstellen und der Tag zu Ende geht, ist auch im Garten oder auf dem Balkon eine Zeit zum Auftanken und das Herz kann weit und groß werden.

Ob Sie in diesen Monaten zu Hause sind oder unterwegs zum Meer oder in die Berge: Schenken Sie sich doch täglich eine kurze Auszeit, indem Sie einfach weniger oder gar nichts tun. Schauen sie einfach mal Löcher in den Himmel. Spüren Sie Ihren Gedanken nach und lassen Sie Ihr Herz weit und groß werden. Betrachten Sie die Schöpfung und lassen Sie Ihre Seele baumeln. Warum nicht lange die Wolken beobachten, die am Himmel vorüberziehen?

Man sagt, auch das soll den Horizont erweitern…

                                                                     Otmar Siebertz und Manfred Pietsch